In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
DEMNÄCHST IN DER BROTFABRIK
NICHT NUR FÜR KINDER:
DER KLEINE PRINZ
DDR 1966 – 77 Minuten – R: Konrad Wolf – B: Angel Wagenstein, nach dem Roman von Antoine de Saint-Exupéry – K: Günter Marczinkowsky – mit Christel Bodenstein, Eberhard Esche, Inge Keller, Klaus Piontek
Konrad Wolfs Adaption von Exupérys berühmten Kinderbuch, lange Jahre aus Rechtegründen unsichtbar, endlich zu entdecken.
Am Sonntag, den 14. Juni, um 16 h und 18 h, im Kino in der Brotfabrik.
„Der kleine Prinz erzählt einem Piloten, der mitten in der Wüste abgestürzt ist, von seinen Erlebnissen auf anderen Planeten und von seiner Einsamkeit. Streng stilisierter, in Kulissenlandschaften inszenierter Film, mit dem sich Konrad Wolf auf die Spuren eines existentialistischen Klassikers begibt und zu einer dichten, von ausgezeichneten Darstellern getragenen Annäherung findet. Stilistisch ein Ausnahmewerk im Schaffen des Regisseurs, thematisch ein spannender Epilog zum ‚Geteilten Himmel’ (1964).“ (Lexikon des internationalen Films)
Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Kinos in der Brotfabrik mit dem Deutschen Rundfunkarchiv und der DEFA-Stiftung.
Mehr zur Entstehung des Films:
www.dra.de/online/dokument/2015/dok2015-1.html
(Dieser Post, weil ich – als Verehrer der Filme von Konrad Wolf – „inspirativ” an der Programmierung beteiligt war. Christoph)

