In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Die Konkurrenz schläft nicht. Am „Crowdfunding“ versuchen sich nun auch etablierte und gut vernetzte Firmen wie Teamworx („Die Flucht“, „Hindenburg“, „Dutschke“). Dabei setzt die Produktionsfirma beim Sammeln von Spenden für die Finanzierung des Projekts „Hotel Desire“ (kein Witz) auf ein Thema, das eine Häufung von Klicks garantiert: Sex.
Wie in einer süßen Peepshow kannst du dafür bezahlen, dass sich bekannte Schauspieler wie Clemens Schick und Anna Maria Mühe ausziehen. Das Ganze natürlich in eine Story eingebettet. Die Titelsequenz kommt eher bieder daher und erinnert an herkömmliche Dusch-Gel-Werbungen. Jeder Spender erhält ein passendes Gimmik, wobei sich „passend“ nach der Höhe des Geldbetrages richtet.
Offensichtlich treten beim „Crowdfunding“ die gleichen populistischen Nebenwirkungen auf wie sie bei Volksabstimmungen oder der Wahl von Publikumspreisen zu beobachten sind. Nichts anderes als der kleinste gemeinsame Nenner wird widergespiegelt, so dass nur schrecklich langweilige und konforme Ergebnisse zutage gebracht werden. In Zukunft würde der Produzent vorauseilenden Gehorsam leisten und direkt auf die Bedürfnisse der Zielgruppe hin produzieren.
Ein Szenario, welches bereits Wirklichkeit geworden ist. Jede soziologische Gruppe bekommt exakt das, wonach sie verlangt. Beamte wie Freiberufler. Autonome wie Nazis. Kinomuffel wie Cinephile.
(Eingestellt von Nicolas)
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Ich glaube ja, es geht weniger um Geld als sozusagen um Marktforschung. Crowdsourcing fragt ja immer auch: „Wollen die das überhaupt?”. Falls das Interesse mager ausfällt, hat man doch die eigene „Fortschrittlichkeit” bewiesen und beworben. Und falls die Masse wirklich „bereit” ist für Softsex à la Teamworx, kann man jede Kritik mit „public demand” entkräften.
C.H.
Meiner Meinung nach ist das Problem nicht das Zielgruppenfernsehen/-Kino. Das Problem, besser: die Bankrotterklärung liegt in der Tatsache, dass teamworx / Nico Hofmann einer des halben Dutzend Produzenten ist, die mit Konfektionsware für TV und mit der Kohle aus Filmfördertöpfen reich geworden sind. Dass der Produzent nicht den Arsch in der Hose hat, dieses Projekt aus der eigenen Tasche zu finanzieren, wenn er denn so sehr daran glaubt, sondern die Finanzierung für sich risikolos auf das Publikum abwälzt, ist ein Armutszeugnis für Hofmann, für teamworx und für die gesamte deutsche Filmlandschaft.
Na, dann bleibt im deutschen Kino doch alles beim alten: "schrecklich langweilige und konforme Ergebnisse, die den kleinsten gemeinsamen Nenner widerspiegeln" ist ja schließlich auch eine gute Beschreibung für circa 90% dessen, was ansonsten durch die deutschen Filmfördergremien produziert wird.