In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Das Zeughauskino Berlin zeigt ab dem 18.11.2011 eine historische Filmreihe zur Hauptstadt der Sowjetunion. In der Reihe laufen zwei Filme, die ich mir nie erhofft hatte jemals hier auf der Kinoleinwand und deutsch eingesprochen sehen zu können:
Am Sonntag, den 20.11.2011 um 20 h
JA SCHAGAJU PO MOSKVE („Zwischenlandung in Moskau”, 1963) von Georgij Danelija. Da spielt der notorische Nikita Michalkov einen jungen Bauarbeiterschriftsteller, mit der Stadt in der Hauptrolle.
Am Mittwoch, den 23.11.2011 um 19.30 h
MNE DVAZAT LET („Ich bin zwanzig”, 1962/64) von Marlen Chuzijew (*1925). Chuzijew (oder anders transskribiert Khutsiyev) heutiger Gegner von Michalkov um die Macht im russischen Regieverband, hat ein wunderbares, hier völlig unbekanntes schmales Filmoeuvre geschaffen (sein Film INFINITAS lief 1992 im Wettbewerb der Berlinale). Wieder spaziert jemand durch Moskau: leere Straßen morgens, allein mit der Freundin und Parties zuhause mit Leuten wie Andrei Tarkowskij als Schauspieler.
Wer kommt mit?
(Saskia)
Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
Kommentare sind geschlossen.



Dear Saskia,
"Ich bin zwanzig" is an incredible movie. One of the most important of his time in the USSR and one of my favorite in soviet cinema.
If you can talk about a soviet New Wave "Ich bin zwanzig" is one of his emblems.
Khrushchev was well aware of the power of cinema. He attacked the movie and his filmaker personally in 1963. He criticized the film for presenting "ideas and norms of public and private life that are entirely unacceptable and alien to Soviet people".
I hope than many people will have the chance to discover Chuzijew's work. They will remember that day.
Best regards from Paris.
Pierre
Der visuelle Stil beider Filme ist ziemlich ähnlich, auch das Entstehungsjahr: das erste Bild (das lächelnde Mädchen) gehört zum Film von Danelija, der LKW und das zweite lächelnde Gesicht zu Chuzijew.
Welche Bilder gehören zu welchem Film?
Liebe Saskia, wenn ich in Berlin wäre, würde ich alles stehen und liegen lassen ….. )))))))