In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Drehbuchautor Razvan Radulescu im Gespräch mit Nicolas Wackerbarth, in englischer Sprache.
FREITAG, 25.04.2014
20 UHR
ROTER SALON DER VOLKSBÜHNE
FILM TALK with scriptwriter and filmmaker Razvan Radulescu.
In English language.
RAZVAN RADULESCU hat das neue rumänische Kino geprägt wie kein anderer. Zwischen seinem ersten, gemeinsam mit dem Regisseur Cristi Puiu geschriebenem Drehbuch für MARFA SI BANII, der 2001 zur Initialzündung der neuen rumänischen Welle wurde und seinem bislang letztverfilmten, das er mit Peter Calin Netzer für dessen Film POZITIA COPILULUI (Mutter und Sohn, 2012) schrieb, liegen, gemeinsam mit Puiu, die Bücher zu MOARTEA DOMNULUI LAZARESCU (Der Tod des Herrn Lazarescu, 2005) und NIKI ARDELEAN, COLONEL IN REZERVA (Lucian Pintilie, 2003), gemeinsam mit Radu Muntean und Alexandru Baciu die Bücher zu Munteans drei letzten Spielfilmen HARTIA VA FI ALBASTRA (2006), BOOGIE (2008) und MARTI, DUPA CRACIUN (Tuesday, After Christmas, 2010).
Wie mit einem Drehbuch eine neue nationale Kinematographie entworfen wurde, wie diese als Geschichte der Entwicklung von Erzählweisen noch zu schreiben ist, wie eine Gesellschaft in filmischen Szenen eingeht und formalästhetische Entscheidungen ein kritisches Kino produzieren, welches Verhältnis Razvan Radulescus Drehbucharbeit schließlich zu seiner Zeitgenossenschaft und Filmlektüre unterhält: diesen Fragen widmet sich Revolver Live! gemeinsam mit seinem Publikum.
Wir freuen uns!
Nicolas Wackerbarth
*
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Linienstraße 227
10178 Berlin
Tel +49.30.24 065 – 5
Fax +49.30.24 065 642
info@volksbuehne-berlin.de
Eintritt 5 Euro
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Tel +49.30.24 065 – 5
Fax +49.30.24 065 642
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Eintritt 5 Euro
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Gast
Razvan Radulescu
Geboren 1969 in Bukarest. Autor und Regisseur. Studium der Romanistik an der Bukarester Universität, Opernregie an der Bukarester Kunstakademie. Lehre: Dramaturgie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und an der ESAV Marrakesch. Lebt in Bukarest und Berlin.
Drehbücher (Auswahl): Marfa si banii (Co-Autor: Cristi Puiu, 2001), Niki Ardelean, colonel in rezerva (Co-Autor: Cristi Puiu, 2003), Moartea domnului Lazarescu (Der Tod des Herrn Lazarescu, Co-Autor: Cristi Puiu, 2005), Hartia va fi albastra (The Paper Will Be Blue, Co-Autoren: Alexandru Baciu, Radu Muntean, 2006), Boogie (Co-Autoren: Alexandru Baciu, Radu Muntean, 2008), Marti, dupa craciun (Tuesday, After Christmas, Co-Autoren: Alexandru Baciu, Radu Muntean, 2010), Principii de viata (Principles of Life, Co-Autor: Alexandru Baciu, 2011), Die feinen Unterschiede (Co-Autoren: Melissa de Raaf, Sylvie Michel, 2012), Pozitia copilului (Mutter und Sohn, Co-Autor: Peter Calin Netzer, 2012). Filme: Felicia, inainte de toate (Co-Autor und Co-Regie: Melissa de Raaf, 2009). Romane: Viata si faptele lui Ilie Cazane (1996), Teodosie cel Mic (1998/2006).
Moderation
Nicolas Wackerbarth
Geboren 1973. Regisseur, Autor und Schauspieler. Mitherausgeber der Filmzeitschrift Revolver. Studium: Schauspiel an der Bayerischen Theaterakademie, München; Filmregie an der dffb, Berlin.
Theater: Schauspiel Frankfurt, Städtische Bühnen Köln (1996 – 2000). Filme: Anfänger (Kurzfilm, 2004), Westernstadt (Dokumentarfilm, 2006), Halbe Stunden (Kurzfilm, 2007), Unten Mitte Kinn (Spielfilm, 2011), Halbschatten (Spielfilm, 2013).
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REVOLVER LIVE!
CHRONIK
(25.10.2003)
Christian Petzold: Einführung in eine innere Filmgeschichte
(14.12.2003)
Michael Haneke: Der unbestechliche Blick
(11.01. 2004)
Die Methode Seidl: Ulrich Seidl, Maria Hofstätter, Georg Friedrich, Vivian Bartsch
(28.01.2004)
Persona-Abend mit Judith Engel, Bibiana Begelau und Hinnerk Emmrich
(8.05.2004)
Romuald Karmakar: Filmarbeiter
(6.04.2005)
Angela Schanelec: Raumsprache (mit Reinhold Vorschneider)
(17.06.2005)
Neue Realistische Schule? Ade, Enders, Winckler, Voigt
(12.08.2005) – Los Angeles
Thom Andersen: Story, History and Space: Los Angeles plays itself
(17.10.2005)
Perspektive Filmkritik: Diedrich Diederichsen, Manfred Hermes, Enno Patalas
(29.10.2005)
Berlin Sub: Filme ohne Auftrag. Hangover Ltd., b_books av, Tödliche Doris
(15.06.2006)
Dokumentarische Positionen: Gerhard Friedl, Stefan Landorf, Volker Sattel
(31.09.2006)
Ulrich Köhler: Der diskrete Charme (mit Patrick Orth)
(7.10.2006) – Frankfurt
Valeska Grisebach: Helden des eigenen Lebens
(7.01.2007)
Terry Gilliam: Visionär und Alchemist
(7.05.2007)
Hans-Jürgen Syberberg: Höhle der Erinnerung
(10.08.2007)
Hou Hsiou-Hsien: Erfahrung vs. Erzählung
(1.10.2007)
Tankred Dorst + Ursula Ehler: Die Stimme des Erzählers
(13.11.2007)
Hans Hillmann: Das Filmplakat
(13.04.2008) – Frankfurt
Susanne Lothar + Ulrich Noethen: Gefühle spielen
(2.5.2008) – Schwerin
Götz Spielmann: Stadt und Land
(29.4.2008)
Lav Diaz: Vergehendes Leben
(9.04.2008) – Schwerin
Maren Ade: Kampf um Nähe
(18.11.2009)
Jean-Pierre + Luc Dardenne: Physis, Drama, Märchen
(2.10.2010) – Paris
Mia Hansen-Løve: Gefühl und Verstand
(24.03.2011)
Olivier Père: Cinema in Transition / The Festivals
(5.12.2011)
Marie Vermillard: Erleben und Erfinden
(09.01.2012)
Marie-Pierre Duhamel – ‚I am a stranger here myself‘
(27.01.2012)
Andrew Bujalski – Unschärfe des Lebens
(7.05.2012)
Angriff der Gegenwart – Vier Debüts
(15.09.2012)
Close-up Arsenal – Innenansichten einer modernen Kinemathek
(28.10.2012)
Nadav Lapid
(1.10.2013)
Ula Stöckl
(2.12.2013)
Günter Stahnke: Zwischen den Stühlen
(26.01.2014) – Solothurn
Peter Liechti
(14.03.2014)
Ramon und Silvan Zürcher: Merkwürdiger Alltag
(17.04.2014)
Arne Feldhusen: Gemischte Gefühle
