In ihren ersten beiden langen Filmen beschäftigt sich die Künstlerin und Filmemacherin Selma Doborac mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ihrer filmischen Verhandelbarkeit. Während sie sich in THOSE SHOCKING SHAKING DAYS einer möglichen Dokumentation von Kriegsgeschehen und damit einhergehenden Gräueltaten ausschließlich über die essayistische Form und rhetorische Fragen nähert, findet Selma Doborac in DE FACTO filmische Antworten in der durchdachten Reduktion einer akribischen Recherche.
Man merkt diesem kristallklaren Film an, wie viel Fühl- und Denkarbeit er seiner Regisseurin, aber auch den Schauspielern abverlangt hat, um Unfassbares greifbar, für Momente sogar begreifbar zu machen, wie viel über die richtige Distanz, das richtige Maß von Abstraktion und Information, über Spiel und Nicht-Spiel nachgedacht und probiert wurde, um dem, was man eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit diesen leider eben nicht unmenschlichen, sondern allzu menschlichen Verbrechen nennen könnte, einen Schritt näher zu kommen.
Darüber, wie die konkrete Arbeit an diesem Film aussah, wie DE FACTO seine filmische Form gefunden hat, wollen wir im Anschluss an die Vorführung sprechen.
(Franz Müller)
Im fsk Kino am 30. November 2025 um 20.00 Uhr
Noch einmal zur Erinnerung: diesen Freitag, den 24.06.2011 zeigen wir im Goethe-Institut Paris Klaus Lemkes PAUL (D 1974). Im Anschluss gibt es eine Revolver-Party, zu der auch die Revolver-Crew anreist. Hier der ausführliche Post.
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| So weit, so gut: Paul kommt aus dem Knast. |
(Eingestellt von Christoph)
Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
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Typisch Berlin eben! Wer den Film nicht mag, den kann man getrosst zu Fassbender auf den Friedhof schicken.
Lemke dreht in Berlin: lesenswerter Bericht in der FAZ:
http://www.faz.net/artikel/C31013/ein-drehbesuch-bei-klaus-lemke-klau-mir-das-herz-eines-rockers-30441393.html
Der Abend war eine kuriose Mischung: das leicht behördliche Ambiente des Goethe-Instituts, die blasse (Video-) Projektion, Lemkes unfrisierter Film, Paul Lyss' straßenkatzenartiges Spiel, das ziemlich seriöse Publikum (darunter befreundete Filmemacher, aber auch viele große Namen der französischen Kritik und Cinephilie) und dann, im Ausstellungsraum (der mich an einen Pfarrsaal erinnert hat), Serge Bozon als Feuerkopf am Plattenteller, seine Freunde in märchenhaft perfekten Dandy-Klamotten, die eher nachlässig gekleideten Filmleute, die sich nach und nach zum Tanz verführen liessen, in der ersten (!) Party des Goethe-Instituts Paris. Klaus Lemke hatte Franz noch eine SMS geschickt, die wir nach dem Film vorgelesen haben, wieder mal ein Manifest: „Filme müssen wie Drogen sein” usw. Der Film kam gut an, aber niemand traute sich laut zu sein in seiner Zustimmung, auch die Diskussion war eher schüchtern, nach dem Verhältnis zu Fassbinder wurde gefragt, natürlich. Danach: Bier im Praktikanten-Ausschank, Schulfranzösisch, Schuldeutsch, rettendes Englisch.
Christoph